Von Nicaragua über Hamburg bis auf den Brocken: Am 17. August 2026 machte die „Faire Kaffeefahrt“ Station im Harz. Auf Deutschlands höchstem Berg nördlich der Alpen wurde fair gehandelter Kaffee feierlich übergeben – als sichtbares Zeichen für globale Gerechtigkeit, nachhaltigen Konsum und klimabewusste Lieferketten.
Initiator der Tour ist Christian Mädler vom Freiberger Agenda 21 e.V. Gemeinsam mit Partner:innen bringt er rund 55 Kilogramm fair gehandelten Bio-Kaffee aus Nicaragua auf dem Fahrrad von Hamburg bis nach Freiberg. Die rund 850 Kilometer lange Tour führt durch acht Bundesländer und verbindet Fairtrade Towns, Weltläden und engagierte Initiativen miteinander.
Der Kaffee hat bereits eine besondere Reise hinter sich: Von Nicaragua gelangte er per Frachtsegelschiff nach Hamburg, bevor er auf Fahrräder umgeladen wurde. Damit verbindet die Aktion zwei zentrale Fragen nachhaltigen Wirtschaftens: Unter welchen Bedingungen werden Produkte des täglichen Lebens hergestellt – und wie können auch ihre Transportwege klima- und ressourcenschonender gestaltet werden?
Feierliche Übergabe auf dem Brocken
Ein besonderer Höhepunkt der Tour war die Etappe durch den Harz. Gemeinsam mit der Steuerungsgruppe der Fairtrade Town Wernigerode wurde der Kaffee auf dem Brocken feierlich übergeben.
Die Wernigeröder Steuerungsgruppe engagiert sich seit vielen Jahren dafür, den Fairen Handel vor Ort sichtbarer zu machen und nachhaltigen Konsum sowie faire Beschaffung in Kommune, Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu stärken. Wernigerode trägt seit 2017 den Titel Fairtrade Town.
Der Brocken bot dabei eine symbolträchtige Kulisse: Ein alltägliches Produkt verbindet Produzent:innen in Nicaragua mit Konsument:innen in Sachsen-Anhalt und macht globale Wirtschafts- und Lieferbeziehungen unmittelbar erfahrbar.
Fairer Handel ist mehr als eine Kaufentscheidung
Für das EINE WELT Netzwerk Sachsen-Anhalt e. V. (ENSA) steht die Aktion beispielhaft dafür, wie globale Verantwortung und lokales Handeln zusammengehören.
Fairer Handel bedeutet nicht allein, beim Einkauf auf ein Siegel zu achten. Er stellt grundlegende Fragen nach gerechten Preisen, existenzsichernden Einkommen, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und einer faireren Verteilung der Wertschöpfung entlang globaler Lieferketten.
Gleichzeitig haben auch Kommunen und öffentliche Einrichtungen Handlungsmöglichkeiten. Durch nachhaltige und faire Beschaffung können sie gezielt Nachfrage schaffen und dazu beitragen, soziale und ökologische Standards zu stärken.
Gerade deshalb sind lokale Netzwerke wie die Fairtrade-Town-Steuerungsgruppe wichtige Akteur:innen: Sie bringen Verwaltung, Zivilgesellschaft, Bildung, Handel und Bürger*innen zusammen und übersetzen globale Herausforderungen in konkretes Handeln vor Ort.
Global denken, lokal handeln
Die Faire Kaffeefahrt macht auf besondere Weise sichtbar, wie eng Regionen weltweit miteinander verbunden sind. Vom Kaffeeanbau in Nicaragua über den Transport nach Europa bis zur Tasse Kaffee im Harz reichen zahlreiche Entscheidungen, die Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Klima haben.
Die heutige Übergabe auf dem Brocken steht deshalb für eine einfache, aber wichtige Botschaft:
Globale Gerechtigkeit beginnt auch vor Ort – bei unseren Konsumentscheidungen, bei öffentlicher Beschaffung und bei der Frage, welche Wirtschafts- und Handelsbeziehungen wir unterstützen wollen.
Das EINE WELT Netzwerk Sachsen-Anhalt begrüßt Initiativen wie die Faire Kaffeefahrt, die globale Zusammenhänge sichtbar machen und zeigen, dass nachhaltiges und solidarisches Wirtschaften praktisch erfahrbar und gestaltbar ist.